Sevilla-Prozess

Die Richtlinie 2010/75/EU des Europäischen Parlaments und des Rates über Industrieemissionen (IED-Richtlinie) vom 24.11.2010 bildet EU-weit die Grundlage für die Genehmigung besonders umweltrelevanter Industrieanlagen. Die Anforderungen der IED-Richtlinie umfassen emissionsbegrenzende Vorsorgemaßnahmen, integrierten Umweltschutz und eine Genehmigungspflicht. Für jede unter Anhang I der IED-Richtlinie fallende Aktivität wird ein Referenzdokument über die besten verfügbaren Techniken (BVT) erarbeitet. Textilrelevante Anlagen der IED-Richtlinie sind die in Anhang I unter 6.2 aufgeführten Anlagen zur Vorbehandlung (Waschen, Bleichen, Mercerisieren) oder zum Färben von Fasern oder Textilien, deren Verarbeitungskapazität 10 t pro Tag übersteigt. Durch die Anwendung der besten verfügbaren Technik (BVT) wird eine nachhaltige Produktion und ein hoher Schutz für die Umwelt, sowie eine Reduzierung des Ressourcen- und Energieverbrauchs während des Betriebs und nach der Stilllegung angestrebt. Die Schlussfolgerungen der BVTs enthalten Grenzwerte, die von den Anlagen einzuhalten sind. Insofern hat der Prozess der Überarbeitung der Textil-BVTs erhebliche Bedeutung für die produzierenden Unternehmen.

Durch die IED-Richtlinie ist die Europäische Kommission verpflichtet, einen Informationsaustausch über die Erstellung, Überprüfung, und erforderlichenfalls Aktualisierung der BVT-Merkblätter zu organisieren. Der Informationsaustausch findet zwischen den EU-Mitgliedsstaaten, den betreffenden Industriezweigen, den Nichtregierungsorganisationen und der Kommission statt. Man nennt den Informationsaustausch auch Sevilla-Prozess, weil das Europäische IPPC-Büro, welches den Austausch organisiert, seinen Sitz in Sevilla hat. Mit Reaktivierung der technischen Arbeitsgruppe (TWG) Ende 2017 hat das IPPC-Büro den Überarbeitungsprozess gestartet. Diese wird die Arbeit mit einem kick-off Meeting im Juni 2018 aufnehmen und gemeinsam mit der Kommission das letztmalig im Jahr 2003 überarbeitete BVT-Merkblatt für die Textilindustrie bis voraussichtlich Ende 2020 überarbeiten.