Made in

"Made in Germany" ist ein Markenzeichen, das ein hohes positives Image transportiert. Auch manche Verbraucher haben ein Interesse daran, die Herkunft eines Produkts zu kennen. Da Textilien und Bekleidung in zahlreichen Produktionsschritten und in verschiedenen Staaten hergestellt werden, gibt es aber nicht das eine Herkunftsland. Viele Produkte sind heute buchstäblich "made in the world".

Für eine Hose kann die Baumwolle aus den USA stammen, die in Indien zu Garn gesponnen, in Thailand zu einem Stoff gewebt, in Deutschland aufwendig veredelt und in Tunesien konfektioniert wird, bevor sie in Deutschland in den Laden kommt.

An einer sinnvollen Verbraucherinformation ist prinzipiell nichts auszusetzen. Allerdings ist es ein Irrtum zu glauben, dass sich aus der Nennung des Herkunftslandes Rückschlüsse über Sozial- und Umweltstandards im jeweiligen Produktionsbetrieb oder die Qualität von Produkten ziehen lassen. Wer mit solchen Unterstellungen arbeitet, tut jedem Hersteller unrecht, der sich an die gültigen Normen hält.

Als Kriterium zur Bestimmung des Herkunftslandes sehen die bisherigen Vorschläge die sogenannten nichtpräferenziellen Ursprungsregeln im Zollrecht vor. Damit würden komplizierte, rein handelspolitische Regeln zweckentfremdet werden. Textile Produkte werden nicht an einem Ort oder in einem Land hergestellt. Die Nennung des Ortes des letzten Produktionsschritts sagt nichts über Produktqualität, Produktionsbedingungen oder den europäischen Wertschöpfungsanteil aus. Eine "Made in"-Kennzeichnung würde aber auf Grundlage der vorgeschlagenen Kriterien zu absurden Ergebnissen führen. Für die Sicht des Konsumenten ist in diesem System kein Platz. Mit guten Gründen stehen deshalb auch europäische Verbraucherschutzverbände der "Made in"-Kennzeichnung ablehnend gegenüber.

Aus Sicht von Verbrauchern und Herstellern bestehen keine nachvollziehbaren Gründe für eine verpflichtende "Made in"-Kennzeichnung in den bisher vorgeschlagenen Formen. Eine Kennzeichnungspflicht schafft vielmehr neue Bürokratie und hohe Kosten. Diese würden in erster Linie kleine und mittelständische Unternehmen belasten und Produktion am deutschen und europäischen Standort gefährden.

Die Forderung einiger Wirtschaftsvertreter nach einer "Made in" Kennzeichnung soll Vorurteile schüren zum Schutz überholter, nicht mehr konkurrenzfähiger Strukturen. Das ist nicht im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit im Zeitalter globaler Wertschöpfungsketten, und schon gar nicht im Sinne der Konsumenten. Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie wird daher auch in Zukunft protektionistische Kennzeichnungsvorschläge ablehnen.