WTO-Forum in Genf: t+m drängt auf innovationsfreundliche Handelspolitik

05.10.2018 PM Aktuelles

WTO Public Forum zum Thema "Trade 2030"

Die deutsche Textil- und Modeindustrie hat sich beim WTO Public Forum als innovativer High-Tech- und Zukunftssektor präsentiert und eine innovationsfreundliche Handelspolitik eingefordert.

Dabei bekamen die zahlreichen Teilnehmer der Veranstaltung auch durch Praxisberichte einen Einblick in die Herausforderungen für die Unternehmen: Bernd Stadtler, Zollchef von Hugo Boss, unterstrich die Bedeutung der digitalen Transformation in der Lieferkette mit zunehmendem Einsatz von 3D-Technologien. Er wies auf die Herausforderungen für den elektronischen Handel hin, sowohl für die Wirtschaft als auch für den Gesetzgeber. Handlungsbedarf sieht Stadtler auch im Bereich des Zollwertrechts, das dringend einer Anpassung an die neuen globalisierten Strukturen bedarf.

Lucian Cernat, Europäische Kommission, Chefvolkswirt der Handelsabteilung, beschrieb die zunehmende Verknüpfung von Güter- und Dienstleistungshandel. Immer öfter seien - eigentlich zollfreie - Dienstleistungen im Wert gehandelter Güter inkludiert. Bei der Verzollung fielen dann de facto höhere Zollsätze an. Dies treffe auch auf den 3D-Druck zu, den Cernat als Beispiel für die "servicification" des Handels herausstellte. Eine Lösung werde derzeit mit zunehmender Unterstützung unter dem Titel "Mode 5" diskutiert.

Hosuk Lee-Makiyama, Direktor des European Centre for International Political Economy, ECIPE, unterstrich die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für den Außenhandel. Wenn die Türkei in den vergangenen Jahren ihr Exportvolumen verdoppelt habe, hänge dies auch mit ihren um das 15-fache gestiegenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung zusammen. Lee-Makiyama prognostizierte weitere erhebliche Veränderungen von Weltwirtschaft und Lieferketten in den kommenden Jahren, wenn sich infolge weiter zunehmender Automatisierung möglicherweise die Bedeutung von Personalkosten verändere. Schon heute sei ein Trend erkennbar, möglichst nah am Kunden zu produzieren, der sich weiter verstärken werde.

amfori-Präsident Christian Ewert mahnte dringend ein Update der WTO an. Die Veränderungen in Industrie und Handel wie z.B. 3D-Druck, Automatisierung, Big Data etc. könnten von der Handelspolitik nicht länger unbeantwortet bleiben. Handlungsbedarf besteht für die WTO seiner Ansicht nach vor allem in den Bereichen Dienstleistungen, Mode 5, E-Commerce, Investitionen, Wettbewerb und nachhaltige Entwicklung. Der Start neuer Verhandlungen auf WTO-Ebene sei überfällig; wenn nötig sollten Lösungen auch im Rahmen plurilateraler Ansätze gesucht werden.

Die erste Veranstaltung von t+m bei der WTO wurde von unserem Brüsseler Büro-Leiter RA Ralph Kamphöner organisiert und moderiert und stieß bei den zahlreichen Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf große Resonanz.

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