Tarifrunde 2019: Gemeinsam textile Zukunft sichern!

14.11.2018 PM Aktuelles

Die deutsche Textil- und Modeindustrie geht äußerst unsicheren Zeiten entgegen. Nach Jahren spürbarer Reallohnsteigerungen zwingen die langsamer wachsende Weltwirtschaft, globale Handelsrisiken, wettbewerbsschädliche Energiekosten und eine Krise des Modeeinzelhandels in Deutschland zur Zurückhaltung in der Tarifrunde 2019. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Markus Simon, mahnt die IG Metall zur Besonnenheit und zu einem maßvollen Abschluss: „Der textile Mittelstand ist in Gefahr!“

Berlin / Krefeld: Die Arbeitgeber der deutschen Textil- und Modeindustrie sehen mit Sorgen auf die Tarifverhandlungen für das kommende Jahr. Angesichts der von der IG Metall am Dienstag vorgelegten Forderungen erklärt Markus Simon, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Geschäftsführer der VERSEIDAG-INDUTEX Krefeld:

"Das schwieriger werdende konjunkturelle Umfeld und die globalen Risiken schlagen bereits jetzt voll auf unsere Branche durch. Die Bekleidungsindustrie hat seit Jahresbeginn mit erheblichen Umsatzeinbußen zu kämpfen und auch die Umsätze der technischen Textilien schwächeln. Nur mit einem maßvollen Tarifabschluss wird es uns gelingen, die in den vergangenen vier Jahren stetig gestiegene Zahl der Arbeitsplätze zu sichern und eine tiefe Krise der deutschen Textil- und Modeindustrie abzuwenden."

Auch die technischen Textilien werden in diesem Jahr nicht in der Lage sein, die Einbußen von aktuell knapp vier Prozent in der Bekleidungsindustrie aufzufangen. Gründe sind die langsamer wachsende Weltwirtschaft, die Handelskonflikte zwischen USA und China sowie zwischen den USA und Europa, die Schwäche wichtiger Schwellenländer wie Argentinien, Brasilien und Türkei, aber auch die nachlassende Dynamik in China. Über 40 Prozent ihres Gesamtumsatzes von rund 35 Milliarden Euro erwirtschaftet die Branche mit Exporten.

Aber auch die Inlandsnachfrage im deutschen Modeeinzelhandel geht zurück. So wollen die Verbraucher auch im kommenden Weihnachtsgeschäft nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young weniger Geld für Kleidung ausgeben. Als wichtige Zulieferer der Automobilindustrie macht sich bei den Herstellern technischer Textilien zudem die zuletzt stagnierende Automobilproduktion in Deutschland deutlich bemerkbar.

Erhebliche Sorgen bereiten der überwiegend mittelständisch geprägten Branche die ständig steigenden Kosten für Rohstoffe, aber auch für Garne und vor allem für Energie. Rund 95 Prozent der Betriebe zahlen die volle Umlage, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorschreibt. Die EEG-Umlage in Deutschland ist fast so hoch wie der gesamte Strompreis in den USA oder China. Dies belastet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Mittelständler bis an die Schmerzgrenze.

Markus Simon, Verhandlungsführer der deutschen Textilindustrie: "Die jetzige Lage muss uns alle alarmieren! Zahlreiche Konjunkturprognosen sind in den vergangenen Monaten mehrfach nach unten korrigiert worden." Zuletzt hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine Schätzung für 2018 von 2,3 Prozent Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts deutlich auf 1,6 Prozent gesenkt. Für 2019 wird ein Zuwachs von 1,5 Prozent erwartet, im März hatten die Ökonomen noch ein Plus von 1,8 Prozent vorausgesagt.

Verhandlungsführer Simon: "Wir können die Einschätzung der Experten nur bestätigen: Der fast ein Jahrzehnt dauernde Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist unbestreitbar in seinem Herbst angekommen. Nur mit einem wirklich maßvollen Abschluss in der Tarifrunde 2019 wird es uns gemeinsam gelingen, die textile Produktion in Deutschland zu sichern. Ich appelliere nachdrücklich an die IG Metall, die Beschäftigung in der Textil- und Modeindustrie nicht zu gefährden."