Investitions- und Handelspartnerschaft EU-USA

(TTIP)

Die mittelständisch geprägte und exportorientierte deutsche Textil- und Modeindustrie begrüßt die Verhandlungen der Europäischen Union mit den USA über eine Investitions- und Handelspartnerschaft (TTIP). Ein Abkommen würde viele Vorteile für Hersteller, Arbeitsplätze und Verbraucher in Deutschland nach sich ziehen. Die deutsche Branche exportierte 2013 hochwertige Textil- und Bekleidungsprodukte im Wert von fast 500 Millionen Euro in die USA und ist unter anderem mit innovativen Technischen Textilien in Bereichen der Medizintechnik, Bautechnik, Luft- und Verkehrstechnik weltweit führend. Bereits heute sind die USA das drittgrößte Zielland deutscher Textil- und Bekleidungsexporte außerhalb der EU.

Faserbestandteile bestimmen die Zollabgabe

Trotz dieser positiven Kennzahlen und guten Wettbewerbssituation der deutschen Unternehmen erschweren hohe Zollbelastungen und vielfältige bürokratische Handelshemmnisse den Marktzugang in die USA erheblich. Allein die Einfuhrabfertigung und die Einhaltung aller Vorschriften und Zertifizierungsvorgaben verteuern deutsche Exporte in die USA um bis zu 20 Prozent - die reguläre Zollbelastung kommt noch hinzu. Darunter leiden vor allem kleine und mittlere Betriebe erheblich. Auf Grundlage einer komplexen US-Warenklassifizierung fallen z. B. für den Export von Männeranoraks in die USA sehr unterschiedliche Einfuhrabgaben an, je nachdem welcher Bestandteil an Fasern dominiert: Besteht er im Wesentlichen aus Baumwolle beträgt der Zollsatz 9,4 Prozent, enthält der Anorak hauptsächlich Chemiefasern, dann liegt der Zollsatz bereits bei über 27 Prozent. Produkte, die aus Sicht des Verbrauchers im Prinzip gleichartig sind, werden dadurch diskriminiert und für deutsche Hersteller ohne Not hohe Handelshürden geschaffen.

Sondervorschriften suchen ihresgleichen

Ein anderes Beispiel sind Kennzeichnungspflichten in den USA: Hier müssen die Etiketten im Nackenbereich von Hemden angebracht werden, eine Sondervorschrift, die weltweit ihresgleichen sucht. Aus Sicht deutscher Bekleidungshersteller erfordert das zwangsläufig eine aufwendige und separate Produktion. Solche Handelsbarrieren sind reine Willkür und weder technisch noch wirtschaftlich gerechtfertigt.

Sinnvoller Abbau von Handelshemmnissen

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen für die Produktion am deutschen Standort ist Fakt, dass sich der deutsche Verbraucher mit Blick auf Textilien und Bekleidung keine Sorgen zu machen braucht. Es liegt auch im Interesse der Industrie, das hohe Niveau europäischer Standards zu erhalten. Heutige US-Vorschriften sind aus Sicht von Verbrauchern und Herstellern in vielen Fällen deutlich strenger beziehungsweise transparenter gestaltet. Durch eine effiziente Harmonisierung oder zumindest gegenseitige Anerkennung von Normen, Standards bzw. Test- und Zertifizierungsverfahren werden bei gleichbleibendem Informations- und Schutzniveau für den Verbraucher Handelshemmnisse sinnvoll abgebaut. Dies würde Vorteile für Hersteller und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks schaffen. 

 

Unser Erklärvideo zeigt, welche bürokratischen Hemmnisse es für die Textil- und Modeindustrie derzeit gibt und welche Vorteile ein Freihandelsabkommen für Industrie und Verbraucher bedeutet.

Industrie Pro TTIP

Die deutsche Industrie hat eine digitale Informationsplattform zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft zwischen den USA und der EU (TTIP) ins Leben gerufen.

Der Gesamtverband textil+mode gehört zum Unterstützerkreis der Initiative des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

Unter der URL http://industrieprottip.tumblr.com/ werden Informationen zu TTIP gebündelt und grafisch ansprechend sowie einfach formuliert zur Verfügung gestellt. Die Plattform erklärt Zusammenhänge und beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen zu TTIP. Sie lädt dazu ein, sich sachlich mit dem Abkommen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig zeigt sie die Vorteile und die Notwendigkeit des Handelsabkommens für Deutschland auf.

Verschiedene Informationsmaterialien wie Aufkleber, Postkarten und Infografiken stehen den Mitgliedsverbänden vom Gesamtverband textil+mode für ihre eigene Verbandskommunikation im Mitgliederbereich (Bereich Argumente/Positionen) zur Verfügung.

Die Webseite hat den Charakter eines Blogs: Parallel zu aktuellen Ereignissen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden kontinuierlich neue Inhalte zur Verfügung gestellt und aktuelle Fragen beantwortet.

Alle Nutzer sind dazu eingeladen, Fragen zu posten und damit die Debatte um TTIP weiter voranzutreiben.