Energiesymposium der Textil- und Bekleidungsindustrie

09.06.2011 PM

„Wir brauchen eine Deckelung der EEG-Umlage auf 2 Cent//kWh, um den Unternehmen Planungssicherheit zu geben“

Am 7. und 8. Juni 2011 lockte das Energiesymposium des Gesamtverbandes textil+mode (t+m) mehr als 70 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Verbänden nach Berlin. Brisantes Thema des ersten Tages war das am Vortag vom Kabinett verabschiedete Energiepaket.

Unmut und Kritik der Branche zog insbesondere die Novelle zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf sich: „Wir brauchen eine Deckelung der EEG-Umlage auf 2 Cent je Kilowattstunde, um den Unternehmen Planungssicherheit zu geben“, forderte t+m-Präsident Heinz Horn in seinem Grußwort.

Die Vertreter der Regierung, Werner Ressing, Abteilungsleiter im BMWi, und Franzjosef Schafhausen, im BMU zuständig für die Unterabteilung Klimaschutz, Umwelt und Energie, unterstützten Horns Wunsch nach einer „bezahlbaren Energieversorgung“, lenkten den Blick zudem auf Netzstabilität und Versorgungssicherheit und lobten die Textil- und Bekleidungsbranche, die die „Zeichen der Zeit“ in Sachen effiziente Energienutzung erkannt habe. Nachbesserungen an der EEG-Umlage seien möglich; die geplanten mittelstands­freundlicheren Grenzwerte der Härtefallregelung kämen der Branche bereits jetzt zugute: So reichen künftig ein Verbrauch von einer Gigawattstunde pro Jahr und ein Stromkostenanteil an der Bruttowertschöpfung von über 14 % aus, um von der Härtefallregelung zu profitieren. In einer angeregten Diskussion mit den energiepolitischen Sprechern und Experten von CDU/CSU, FDP sowie Bündnis90/Die Grünen und einem IG-Metall-Vertreter machten die Unternehmer der Textil- und Bekleidungsindustrie deutlich, wo ihnen der „energiepolitische Schuh“ drückt und was sie sich von den Abgeordneten im aktuellen Gesetzgebungsverfahren erhoffen: „Tragen Sie dazu bei, dass die mittelständische Industrie in Deutschland erhalten bleibt und es nicht zu einer Deindustrialisierung kommt. Setzen Sie sich mit uns dafür ein, dass die EEG-Umlage auf 2 Cent je Kilowattstunde gedeckelt wird“, fasste Horn zusammen.

Energiemanagement-Tag mit Beispielen aus der Praxis

Welche Maßnahmen und Systeme zur effizienteren Energienutzung in Textilunternehmen bereits zur Praxis gehören, berichteten Unternehmer und Verbandsvertreter am zweiten Tag des t+m-Energiesymposiums. Die praktischen Handlungsanleitungen und konkreten Beispiele der Experten reichten von Prozessoptimierungen über Wärmerückgewinnung und die Einführung eines Energiemanagement­systems bis hin zu Fördermöglichkeiten für Unternehmen, die ihre Energieeffizienz verbessern wollen. Einig war man sich auf dem Podium und in der Zuhörerschaft darüber, dass die Textil- und Bekleidungsindustrie beim Energiemanagement und Energiecontrolling bereits zu den Vorreiterbranchen gehört, aber vor allem angesichts der aktuellen energiepolitischen Entwicklungen die Anstrengungen weiter aktiv und innovativ vorantreiben müsse — mit Impulsen einer überzeugten Unternehmens­führung und einer frühzeitigen und kontinuierlichen Einbindung aller Mitarbeiter. Beides sei wesentlich für ein gut funktionierendes Energiemanagement, so die einhellige Meinung der Referenten. „Jeder Mitarbeiter an der Maschine müsste verstehen, welche Auswirkungen auf den Energieverbrauch sein persönliches Verhalten habe“, sagte Rolf Schäfer vom Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V. Dass beispielsweise Druckluft nicht zum Reinigen des Hallenbodens verwendet werden sollte, weil ihre Erzeugung extrem teuer ist, müsse erst kommuniziert werden, bevor hier eine Verhaltensänderung einsetzen könne. Letztlich sei die konkrete Kostenersparnis durch ein gut funktionierendes Energiemanagement das einzig schlagende Argument. Bereits mit sehr geringem Aufwand ließen sich mehrere Tausend Euro pro Jahr sparen.