Deutsche Textilindustrie ist für Erneuerbare Energien, fordert aber Änderungen am EEG

05.04.2011 PM

Ein deutscher Textilunternehmer wundert sich: 3,53 Cent EEG1-Umlage zahlt sein Unternehmen pro Kilowattstunde. Für Energie, die an der Börse aktuell 5 bis 6 Cent kostet. In den letzten zwei Jahren musste der Unternehmer eine Steigerung der EEG-Umlage von 169 Prozent hinnehmen.

55 Prozent der Umlage entfallen auf die Förderung von Solarenergie. Schaut der Unternehmer aus dem Fenster, scheint die Sonne allerdings kaum. Photovoltaik trägt auch nur 7 Prozent zur Menge des grünen Stroms bei.

Insgesamt beläuft sich die Subvention der Erneuerbaren Energien dieses Jahr auf 12,5 Mrd. Euro. Auf den Ausbau von Windkraft entfallen nur 20 Prozent der Förderung. Und damit werden 42 Prozent des Grünstroms hergestellt. Windenergie ist effizienter als Solarstrom, ein Ausbau der Erneuerbaren Energien sollte also hier den Schwerpunkt setzen.

Unser Unternehmer ist grundsätzlich dafür, die Erneuerbaren Energien zu fördern. Ein Ausbau bringt wirtschaftliche Chancen für die deutsche Wirtschaft insgesamt und insbesondere für die eigene Branche mit sich: Innovationen wie textile Materialien für Windkrafträder oder Biogasanlagen besetzen ein Wachstumssegment, nicht nur national sondern weltweit. Zusammen mit Branchenkollegen will unser Unternehmer aber auch, dass Strom bezahlbar bleibt. Nur dann kann er am Standort Deutschland weiter produzieren und investieren.

„Die Belastungen für die Unternehmen der deutschen Textil- und Modeindustrie werden immer höher und entgegen der Aussagen der Ökostrom-Lobby fallen 99 Prozent der Unternehmen nicht unter die Härtefallregelung2, das heißt, sie bekommen eben keinen vergünstigten Strom, egal wie energieintensiv sie produzieren“, sagt Dr. Wolf-Rüdiger Baumann, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil+mode in Berlin. „Das aktuelle EEG garantiert die Abnahme einer möglichst großen Menge Ökostrom, auch wenn dieser gar nicht verbraucht werden kann. Die EEG-Umlage für die Unternehmen erhöht sich zwar, Probleme wie Speicherung oder Transport des Stroms sind aber nicht geklärt.“

Die EEG-Umlage wird Experten zufolge in den kommenden Jahren weiter steigen. Schon heute verschlingen die Energiekosten erhebliche Finanzmittel der Unternehmen. Eine weitere Erhöhung wäre kaum zu stemmen und würde zu noch größerem Einsparzwang bei Investitionen und Forschung & Entwicklung führen.

Um den Unternehmen nicht die Liquiditätsluft abzuschnüren, muss das EEG dahingehend justiert werden, dass

 

  • die Industrie für eine EEG-Umlage nicht mehr als 2 Cent zahlt, um die Produktion am Standort Deutschland nicht unrentabel zu machen.
  • die EEG-Härtefallregelung auch für KMU gilt und die unflexible Begrenzung auf 15 Prozent an der Bruttowertschöpfung aufgehoben wird.

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1 Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien.

2 Die Härtefallregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): Unternehmen, die an einer Abnahmestelle mehr als 10 GWh Strom abnehmen und deren Stromkosten einen Anteil von mehr als 15 Prozent an der Bruttowertschöpfung aufweisen, werden mit max. 0,05 Cent/kWh belastet.