Deutsche Textil- und Modeindustrie teilt Ziele des „Bündnisses für nachhaltige Textilien“

10.10.2014 PM

Viele Details sind aber nicht realisierbar

 

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie (t+m) und GermanFashion teilen die Ziele des geplanten „Bündnisses für nachhaltige Textilien“. „Viele deutsche Unternehmen engagieren sich bereits seit Jahren für möglichst gute Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern, zum Beispiel in Südostasien“, erklären Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer von t+m, und Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer von GermanFashion. Allerdings sind eine Reihe von Forderungen nicht realisierbar; deswegen konnte hier kein Konsens erreicht werden.

Dies betrifft insbesondere die Durchsetzung in Deutschland üblicher Sozialstandards weltweit außerhalb der eigenen Unternehmen sowie den Verzicht auf einige unersetzbare chemische Stoffe.

Deutsche und europäische Unternehmen sind Spitzenreiter in der ökologischen Produktion. Schon die weltweite Durchsetzung der in Europa geltenden Standards wäre eine große Herausforderung für Bekleidungsproduzenten in anderen Kontinenten. Forderungen im Aktionsplan, die über dieses Niveau noch weit hinausgreifen, sind nach heutigem Stand der Wissenschaft für viele Unternehmen weltweit in einem überschaubaren Zeitraum nicht erreichbar.

Aus diesen Gründen werden der Gesamtverband textil+mode und GermanFashion nicht Partner des „Bündnisses“ werden. Sie sind jedoch bereit, sich wie in den letzten Monaten auch weiterhin konstruktiv an der Diskussion zu beteiligen. Zur Unterstützung der Bündnisziele werden die Verbände eine Informationskampagne durchführen und Ziele und Maßnahmen des Bündnisses vorstellen. Jedes Unternehmen prüft dann selbst, ob es auf der Basis der im Annex des Aktionsplans formulierten Anforderungen Mitglied im „Bündnis“ werden kann.

„Wir werden unsere Anstrengungen für bessere Arbeitsbedingungen und einen schonenden Umgang mit der Umwelt weiter kontinuierlich verbessern, auch wenn die allermeisten unserer Mitgliedsfirmen keine eigenen Fabriken in diesen Ländern betreiben und deswegen nur geringen Einfluss auf die Produktionsbedingungen haben“, erklären Uwe Mazura und Thomas Rasch.

Wo deutsche Unternehmen eigene Fabriken betreiben, herrschen weit überdurchschnittliche Arbeitsbedingungen. Viele deutsche Bekleidungsunternehmen produzieren im Ausland aber nicht selbst, sondern lassen Kleidung produzieren. Auf die Arbeitsbedingungen haben sie daher keinen maßgeblichen Einfluss, denn sie sind hier nicht Arbeitgeber, sondern Auftraggeber. Schon heute orientieren sich viele deutsche Unternehmen am Code of Conduct des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie und nehmen die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards in die Verträge mit ihren Lieferanten auf. Vollständige Transparenz in der Lieferkette ist wegen der Komplexität zurzeit kaum möglich: An der Herstellung und Lieferung eines Herrenoberhemdes mit seinen Komponenten sind rund 140 Hersteller- und Logistikfirmen beteiligt.

Die deutsche Bekleidungsindustrie legt Wert darauf, dass alle Akteure ihre jeweilige Verantwortung wahrnehmen. Zum Beispiel liegt die Durchsetzung von Recht und Gesetz in der Verantwortung der jeweiligen Staaten; dies können deutsche Unternehmen nicht garantieren – ebenso wenig wie ausländische Unternehmen deutsches Recht beeinflussen können. Hier sind Diplomatie und Entwicklungshilfe gefragt.