Deutsche Modeindustrie für faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen

07.04.2014 PM

„Die Einhaltung internationaler Sozial- und Umweltstandards ist für die deutsche Textil- und Modeindustrie selbstverständlich“, erklären Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, sowie Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer des Modeverbandes GermanFashion. „Wir haben deswegen schon vor Jahren einen Verhaltenskodex („Code of Conduct — textile and fashion“) für unsere Branche erstellt.“

Dieser Code of Conduct orientiert sich an den zehn Grundsätzen des UN Global Compact, die die Themen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung behandeln. Er berücksichtigt außerdem Arbeitsschutz, Kartellrecht, Verhandlungen mit Vertragspartnern für faire Löhne sowie Berücksichtigung von Verbraucherbelangen. Die Verpflichtung zur Einhaltung der Gesetze und eine Absage an Bestechung und Korruption sowie der faire Umgang mit Geschäftspartnern sind ebenso geregelt wie ein Bekenntnis zu bürgerschaftlichem Engagement. Dieser Code of Conduct steht auch Nicht-Mitgliedern der Verbände zur Verfügung und unterstützt die Unternehmen bei der Durchsetzung fairer Arbeitsbedingungen auch bei Geschäftspartnern.

Die Einhaltung der Menschenrechte hat Priorität für unsere mittelständische Industrie: Maßstäbe hierfür setzt das Konzept von John Ruggie, das im Auftrag der UNO entstand und die unternehmerische Verantwortung für Menschenrechte unter den Prinzipien „Schützen, Respektieren, Abhelfen“ beschreibt: Der Staat hat die Aufgabe, seine Bürger vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen, Unternehmen haben die Pflicht, Menschenrechte zu respektieren. Außerdem ist ein wirksames Beschwerdesystem zu entwickeln. Ruggie betont damit sowohl die Verantwortung staatlicher als auch nichtstaatlicher Akteure bei der Durchsetzung von Menschenrechten. Wirksame Beschwerdemechanismen sind sowohl für die Zivilgesellschaft als auch für Unternehmen wichtig, denn langsame, unsichere und unkalkulierbare Rechtssysteme fördern Rechtsunsicherheit.

Die deutsche Modeindustrie hat an den Importen aus Fernost nach Schätzungen von
GermanFashion einen Anteil von unter 20 Prozent. Den weitaus größeren Teil importieren weltweit agierende Handelskonzerne, die in Fernost in großem Umfang produzieren lassen. Die deutsche Modeindustrie ist hingegen mittelständisch geprägt: Die deutschen Firmen kennen in der Regel ihre Geschäftspartner im In- und Ausland und setzen sich dort auch für faire Arbeitsbedingungen ein.

Für internationale Standards gibt es eine enorme, kaum noch zu überschauende Vielzahl von Zertifizierungen, denen sich auch Textilunternehmen unterziehen. Eine international weit verbreitete stammt von der BSCI (Business Social Compliance Initiative) und wird auch vom Fachverband GermanFashion empfohlen. Sie bietet eine Grundlage für ein gemeinsames Überprüfungssystem für Sozialstandards. Kern der BSCI-Zertifizierung ist die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen. Der Nutzen eines zusätzlichen Siegels ist eher fraglich.

Die deutsche Textil- und Modeindustrie ist zu Themen sozialer und ökologischer Verantwortung seit langem mit politischen Akteuren auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene im Gespräch, in Kürze z. B. auf Einladung des Wirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen. Bereits im Januar 2014 haben der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie sowie GermanFashion ein Spitzengespräch mit Bundesminister Gerd Müller angeregt, das auf Wunsch des Ministeriums im Juni stattfinden wird. Darüber hinaus sind die Verbände der Textil- und Modeindustrie jederzeit bereit, an einem Runden Tisch teilzunehmen.