„India has what Germany wants“:

Indischer Textilminister trifft Textil- und Bekleidungsbranche in Frankfurt am Main

„Wenn Sie Waren exportieren wollen, kommen Sie nach Indien“, sagt Dayanidhi Maran bei der gestrigen Investitionskonferenz in Frankfurt am Main, die der Gesamtverband textil+mode als Kooperationspartner des indischen Textilministeriums organisiert hatte. Maran will Europa zeigen, dass Indien längst nicht mehr zu den Entwicklungsländern zählt, die in der Weltwirtschaft keine Rolle spielten. Bereits seit Jahren investieren Inder in deutsche Unternehmen, etablieren sich deutsche Unternehmen auf dem indischen Markt. Bis 2050 soll das Land zum größten Konsummarkt der Welt werden. Doch der Markteintritt ist häufig nicht so einfach, wie Maran ihn beschreibt.

Indiens Mittelschicht und ihre Kaufkraft wächst, die Wachstumsprognosen sind hoch. Früher für internationale Unternehmen vor allem wegen der geringen Arbeitskosten als Produktionsort interessant, entwickelt sich Indien immer mehr auch zu einem lukrativen Absatzmarkt. Made-in-Europe — sold-in-India funktioniert aber nur bei hochqualitativen High-End-Produkten und Luxusmarken. Um Waren im mittleren Preissegment in Indien zu verkaufen, sollten sie auch dort produziert werden. Ein für Deutschland wichtiger Markt könnte sich durch den Bedarf technischer Textilien im Gesundheitsbereich für die von Maran als „huge population“ bezeichnete Bevölkerungszahl von 1,1 Milliarde Inder abzeichnen. Die indische Delegation rechnet im Bereich technischer Textilien mit einer Umsatzsteigerung von etwa 60% in den nächsten fünf Jahren. Doch hier ist Vorsicht geboten, warnt Peter Schwartze, Präsident des Gesamtverbandes textil+mode. Während die deutschen Unternehmer über Textilbeton und Carbonfasern sprechen, gilt in Indien bereits Funktionsbekleidung als technisches Textil. Ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und Indien scheint auf beiden Seiten gewünscht zu sein. „Emphasize to your government for free trade with India“, sagt Dayanidhi Maran.

Der indische Textilminister ist ein geschickter Redner, der weiß, dass die Frage, wie er die Entwicklung in China im Vergleich zu Indien beurteilt, früher oder später kommen wird. „Können wir mit China konkurrieren?“ stellt er sie gleich selbst und antwortet: „Deutschland muss sich seinen Platz als Export-Weltmeister von China zurückholen — das gelänge mit unserer Hilfe.“

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs, des Ausbaus der Infrastruktur und einem Nachwuchs, der überall als „well-educated, well-earning and well-spending“ bezeichnet wird, weisen in Indien bereits tätige Unternehmer aus Deutschland auch auf nach wie vor ungelöste Probleme wie Umweltverschmutzung und regelmäßige Versorgung mit Elektrizität und Wasser hin.

Als Informations- und Kontaktplattform wird die gestrige Veranstaltung sowohl von deutscher als auch von indischer Seite als Erfolg bewertet. Peter Schwartze kündigt daher weitere Kooperationsprojekte des Gesamtverbandes textil+mode mit den indischen Partnern an.

Admin Istrator, 04.02.2010
/deutsch/Themen/Presse/E3609.htm